Hofbauer One Design Business Sprint 2014 – „bemerkenswertes“ Damenteam!

Skipperin: Ingrid mit Crew Astrid, Christine, 2 Gabis L. und P. und „last, but not least“ Veronika
Boot: Whiskey
Revier: Kroatien
Zeit: 12. bis 15. April 2014
Veranstalter: Segelschule Hofbauer
 
 
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Im vergangenen Jahr waren wir beim ODBS noch als gemischte Crew gestartet, heuer war der Ehrgeiz groß und die Crew ausschließlich weiblich… 
Von der Crew 2013 ist Christine wieder mit dabei war, verstärkt durch Astrid, Gabi L. und P. sowie Veronika und mich (Ingrid).
 
Auf unserem Boot WHISKEY haben wir bald den Namen „WHISKEY-Weiber“ ausgefasst. Da wir als Mini-Damenteam (Susi H., Gabi P. und ich) das Boot schon in der Vorwoche beim Hofbauer-Cup 2014 gesegelt sind, muss nur unsere Leichteste für einen kurzen Check ins Masttop und nach erfolgter Einweisung der neuen Crew für die kommende Nachtfahrt gibt’s am Begrüssungsabend in Portoroz noch genügend Zeit, um Astrids Geburtstag ausführlich zu feiern.
 
Der One Design Business Sprint führt 2014 wieder über die Langstrecke von Umag nach Biograd. Die Strecke kann je nach Windverhältnissen mit 1-2 Nachtfahrten bewältigt werden und heuer sorgen die elf baugleichen Elan 350 mit ihren starken Teams für eine abwechslungsreiche Regatta, die an Spannung Einiges zu bieten hat.
 
Schon beim Start vor Umag gibt’s die erste Überraschung: Nach bangem Warten hat ein leichter Wind gerade noch rechtzeitig eingesetzt, allerdings von achtern. Somit gibt es einen Vorwindstart. „Nur kein Frühstart“, mahnt mich meine Crew – hinter dem Vorjahressieger als 2. über die Linie wirkt dann ganz beruhigend. Aufgrund der Windverhältnisse ist vorerst nicht viel Taktik erforderlich, wir konzentrieren uns auf optimalen Trimm des Genakers und matchen uns die ersten Meilen entlang der Istrischen Küste mit 2 weiteren Booten, der  Vorjahressieger Windholz hat sich bereits etwas abgesetzt. Auf Höhe Pula beginnt die Nacht herein zu brechen – der Wind liegt nach wie vor konstant bei schwachen 2-3 Bft. Die ersten taktischen Manöver werden eingeleitet, zwei Boote vor uns halsen unter Land, während wir noch weiter Richtung Süden segeln.
 
Wie sich am nächsten Morgen herausstellen wird, ist unsere Variante, obwohl nicht ganz geplant, kein Fehler, sondern wohl ein Vorteil, da wir in der Nacht entgegen der Wettervorhersage (am Kvarner einsetzende Bora) weitab der Küste deutlich stärkeren Wind vorfinden und später die zusätzlichen Meilen durch höhere Geschwindigkeit gutmachen können. Die Vollmond-Nacht und Freude über den auffrischenden Wind sind perfekt, die Segel stehen endlich voll und eine Zeitlang liefern wir uns unter Genaker bei rund 7 Knoten Speed ein sportliches nächtliches Duell mit einer zweiten Elan 350.
 
Dann plötzlich eine Schrecksekunde – lautes Schreien reißt mich aus dem Schlaf. Der „Gegner“ hat uns durch ein unerwartetes und heftiges Anluven unmittelbar an einen trawlenden und ihm nicht erkennbaren Fischer gedrängt. Nur durch ein „in den Wind schießen“ und fast manövrierunfähig durch den vertörnten Genaker können wir die Kollision verhindern, auch ohne Netz und Fang zu kappen! Die emotionalen Wellen über das turbulente Manöver sowie die dabei verlorene Zeit können wir gottlob in Biograd glätten und das entstandene Missverständnis klären.
 
Nach der gefährlichen Fast-Kollision ist der Bedarf von uns Mädels an einem mitternächtlichen „Match-Race“ vorerst gestillt und wir lassen die Kollegen auf anderem Kurs abziehen. Wir segeln auf schnellstem Kurs Richtung Süden weiter, wodurch wir immer weiter von der Küste weg und außerhalb der Tracking-Aufzeichnung geraten. Demnächst sollte dringend gehalst werden, um den Kontakt zum Regattafeld nicht zu verlieren. Als wir uns zur Kursänderung entschließen, ist vorerst tiefe Nacht um uns, doch bald erscheint ein Feuer am Horizont - das Leuchtfeuer von Susak – anfangs wirkt es endlos weit entfernt. Bei 7-8 kn Fahrt pflügen wir am neuen Raumschotkurs munter durch die Wellen und entdecken bei Tagesanbruch wieder einen Teil des Regattafeldes noch etwas außerhalb von Susak.
 
Da auch andere Boote während der Nacht nicht vom Regatta-Tracking erfasst waren, können wir aus der Entfernung nicht gleich ausmachen, mit welchen „Gegnern“ wir – mittlerweile bei ständig wechselnden Windbedingungen - auf Grujica zusegeln. Und so ist die Freude groß, als wir uns am Vormittag, mit Kurs auf Silba zwar nicht ganz vorne, doch auch nicht abgeschlagen, wieder finden!
Leider schläft der Wind ab Silba völlig ein und macht es ab nun zur neuen Herausforderung, auf dem jetzt spiegelglatten Wasser zwischen den Inseln und ohne Hoffnung auf baldiges Einsetzen einer Thermik einen der spärlichen brauchbaren Windstriche zu erreichen, der uns möglichst vor den Nachkommenden und weit in Richtung Südosten unserem Ziel entgegen schieben könnte. Es ist klar, je früher man hier wieder Wind bekommt, desto weiter kann man sich vom restlichen Feld absetzen. Vielleicht ist, sich tiefer als die anderen und nahe unter Inseln halten, jetzt die Lösung - der neue Wind soll ja von Süden kommen….?
 
Das Segel-Trimmen und die vielen taktische Manöver bei fast 0 Knoten Wind strapazieren unsere Nerven, aber auch der jetzt in Führung Liegende versucht - mittlerweile nicht mehr als 1 Meile vor uns - mit den gleichen Spielchen, sich aus der Flaute „weg zu retten“. Wie wir später im Ziel erfahren, sind Boote hinter uns bis zu 8 Stunden! auf Höhe Molat in absoluter Flaute fest gehangen. Mit Mühe gelingt es uns, trotz ständiger Windänderungen auf fast 2 Kabellängen an den Führenden heran zu kommen, allerdings lauern noch 2 andere Teams knapp hinter uns auf neuen Wind.
 
Nach 24 Stunden Wettfahrtdauer werden die Karten neu gemischt, wobei sich die Positionen der Ersten mehrmals verschieben. Im Geviert mit Roland, Windholz und Arnold beginnen wir uns endlich - zuerst mit Genaker - wieder in Richtung vorwärts zu bewegen und mit dem einsetzenden Südwind in Richtung Zadarski Kanal aufzukreuzen. Die Regatta-Leitung spricht später von der „Aufholjagd“ des Damenteams – bei der wir kurz sogar in Führung gehen.
 
Teils waren es letztlich die Nerven, teils auch die immer wieder wechselnden Windrichtungen und unser etwas zu später finaler „Angriff“ erst 20 Meilen oberhalb von Biograd - sicher war es auch das Können der Kollegen auf den anderen Booten: wir haben uns bis knapp vors Ziel mit den drei führenden Booten gematcht, waren auf dem letzten Regatta-Abschnitt streckenweise deutlich schneller als die Anderen, haben dabei noch die Vorjahressieger zum Schwitzen gebracht und mussten uns erst in der Bucht vor Biograd knapp geschlagen geben.
 
Schließlich sind wir 6 Mädels nach fast 29 Stunden Regatta innerhalb von 9 Minuten hinter dem Sieger als 4. Boot über die Ziellinie gegangen.
Ein so spannendes Rennen (s. ODBS, „Neuigkeiten von der Wettfahrt-Leitung“) mit einem so knappen Ergebnis gab es bei dieser Regatta offenbar noch nie.
Wir sind nicht traurig über die verpasste Chance - wir sind begeisterte Seglerinnen, aber Amateure – und mächtig stolz über den großen Applaus und die Anerkennung, die wir nicht nur bei der Siegerehrung, sondern auch durch eine namentliche Erwähnung in der Yacht-Revue als „angriffslustiges Damenteam um Ingrid Heiter-Reiffenstuhl“ geerntet haben.
… und von der Segelschule Hofbauer werden wir noch mit einer Jahres-Ration Lindt-Schokolade „belohnt“ – die gibt es leider wohl erst nach der Sommerhitze!
 
Gratulation an das gesamte Team!
Eure Ingrid
 
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